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[ 23.03.2010 ]
Österreich nach der Wirtschaftskrise - Wege zum Abbau der SchuldenlastDie Staatsverschuldung in Österreich ist dramatisch angestiegen. Eine Budgetkonsolidierung ist deshalb zwingend erforderlich. Doch was ist der richtige Weg? Darüber diskutierten zahlreiche Mitglieder der IV Salzburg und des Salzburger Verbandes Selbständiger Wirtschaftstreibender (VSW) mit dem Finanzwissenschaftler em. Univ.-Prof. Christian Smekal von der Universität Innsbruck, am 22. März 2010 in der Salzburger Loft.„Der große Andrang bei der Diskussionsveranstaltung „Österreich nach der Wirtschaftskrise", die vom VSW und der IV Salzburg initiiert wurde, zeugt vom enormen Interesse der Salzburger Unternehmer an den Themen Staatsverschuldung und Budgetkonsolidierung", so Matthäus Haas, Vorstandsvorsitzender des VSW. Die derzeitige Diskussion um die Sparpläne der Bundesregierung sorgt nicht nur bei Wirtschaftstreibenden sondern in der gesamten Bevölkerung für Unsicherheit.
Höchste Zeit für ausgabenseitiges Sparprogramm Die Industriellenvereinigung habe bereits vor einiger Zeit umfangreiche Reformvorschläge zur Budgetkonsolidierung ausgearbeitet, da es höchste Zeit sei Österreich durch nachhaltige Reformen wieder zukunftsfähig zu gestalten, betonte Mag. Rudolf Zrost, Präsident der IV Salzburg in seiner Begrüßungsrede. „Die Budgetsanierung muss ausgabenseitig erfolgen. Im Jahr 2013 wird die öffentliche Verschuldung knapp 83 Prozent des BIP betragen. Nur für die Bedienung der Staatsschulden ist ein Zinsendienst von mehr als elf Mrd. Euro nach dem Jahr 2013 realistisch. Nach unseren Berechnungen ist ein strukturelles Konsolidierungsvolumen von jährlich ca. 9 bis 12 Mrd. Euro erforderlich. Und es muss mindestens 10 Jahre aufrecht erhalten werden, um die Maastricht-Verschuldungsgrenze von 60% des BIP bis zum Jahr 2025 wieder zu erreichen", erläuterte Zrost vor den Salzburger Unternehmern. Die IV fordert in ihrem Reformpapier unter anderem eine Pensionsreform, einen Gesundheitsreform und eine Verwaltungs- und Strukturreform. Die Einsparungspotenziale dabei seien beachtlich, unterstrich Rudolf Zrost: „Alleine eine Erhöhung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters um ein Jahr würde bereits Einsparungen von jährlich 1,2 Mrd. Euro bewirken." Einmal mehr erneuerte der IV Präsident die Forderung nach der Zusammenlegung kleinster Gemeinden bzw. nach der Zusammenlegung von Gemeindeaufgaben wie Schneeräumung, Betrieb von Hallenbädern und Müllentsorgung. „Diese Vorgabe kann aber nur durch eine Doppelstrategie erreicht werden. Diese besteht aus einem kurzfristigen Notprogramm mit einer Defizitreduktion von 6 Mrd. Euro bis 2014 und aus einem mittel- bis längerfristigem Strukturreformprogramm", so der Professor. Für rege Diskussionen im Publikum sorgte Smekals Einschätzung, dass eine rein ausgabenseitige Konsolidierung innerhalb der nächsten 3 Jahre unrealistisch erscheine, da „Policy mix" in Österreich Tradition hat. Die Regierung habe die 60% Ausgabeneinsparungs- und 40 % Steuerregel als machbar festgelegt. Allerdings plädierte der Finanzwissenschaftler eher für eine Aufteilung von 70 % Ausgabeneinsparung und 30 % Steuern. Kritik übte er an der Tatsache, dass in Österreich keine sachliche Diskussion über Steuerthemen geführt werde und diese immer in eine ideologische Verteilungsdebatte abgleite.
Die föderale Bundesstaatsreform war auch ein Hauptthema der Diskussion im Anschluss an den Vortrag. Aus dem Publikum kamen unter anderem Forderungen nach mehr Kontrolle, die Ausgaben von Ländern und Kommunen betreffend. Der Rechnungshof solle gestärkt werden, so die Meinung einiger Diskussionsteilnehmer. Den Wunsch nach einer Zusammenlegung von Kompetenzen auf Bundesebene, wie einer einheitlichen Raumplanung und einer bundesweiten Regelung der Umweltgesetzgebung äußerten auch einige Salzburger Unternehmer. IV Salzburg-Geschäftsführerin Mag. Irene Schulte schloss sich in diesem Punkt der Meinung vieler Diskutanten an: „Wir brauchen die Beseitigung der Kompetenzzersplitterung bei überregionalen Infrastrukturprojekten durch eine verbindliche Bundesraumordnung. Bislang werden Infrastrukturprojekte, Betriebsgründungen und -erweiterungen erschwert durch das Fehlen einer langfristigen Strategie sowie durch langwierige und intransparente Genehmigungsverfahren."
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