[ 30.08.2010 ]
IV Salzburg verärgert über Anschüttungen von AK-Präsident Pichler
„Hoher Prozentsatz der Industriellen geht von Zunahme der Lehrstellen aus!"
Verärgert reagiert IV-Salzburg Geschäftsführerin Mag. Irene Schulte auf die jüngsten Anschüttungen von AK-Präsident Siegfried Pichler, wonach die Hälfte der Industriebetriebe nicht mehr Lehrlinge ausbilden wolle. „Polemische Aussagen und verdrehte Fakten sind beim so bedeutenden Thema Lehrlingsausbildung völlig fehl am Platz", wies Schulte die jüngsten Aussagen von Seiten der Arbeiterkammer Salzburg zurück. „Die IV-Umfrage wurde falsch zitiert. Sie zeichnet ein völlig anderes Bild von der Industrie als Lehrlingsausbildner. Die Salzburger Unternehmen stehen zu ihrem Commitment bei der Lehrlingsausbildung. Trotz zweistelliger Rückgänge von Auftrags- und Produktionszahlen ist es der Industrie gelungen, den größten Teil ihrer Lehrlinge und Mitarbeiter im Krisenjahr 2009 zu halten. Ein hoher Prozentsatz gerade der ausbildungsintensiven Unternehmen geht davon aus, dass die Zahl der Lehrstellen 2010 und 2011 sogar zunehmen wird", stellte Schulte klar.
Industrie setzt auf Lehrlinge
Die aktuelle Lehrlingsumfrage der IV zeigt, dass 2010 knapp über 70% der Unternehmen bei der Neuaufnahme von Lehrlingen ihren bisherigen Lehrlingsstand halten. 22,9% der Unternehmen, ein Plus von 4,5% im Vergleich zum Vorjahr, wollen mehr Lehrlinge ausbilden. Die Ausbildungssituation für 2010 und 2011 wird generell positiv eingeschätzt. Für 2011 beabsichtigen über 81% der Unternehmen ihren Lehrlingsstand zu halten, kein Unternehmen denkt an eine Reduktion und 18,4% planen mehr Lehrlinge auszubilden als im Vorjahr.
Vielmehr seien die Salzburger Industriebetriebe mit zu wenigen Bewerbungen von qualifizierten Jugendlichen konfrontiert, korrigiert die IV Salzburg Geschäftsführerin den AK-Präsidenten. „Viele offene Lehrstellen in der Industrie können in Salzburg gar nicht besetzt werden, da es einerseits sehr häufig an Bewerbern für technische Berufe mangelt und andererseits immer mehr Schulabsolventen die Mindestanforderungen für technische Berufe nicht erfüllen. Das W&H Dentalwerk im Bürmoos beispielsweise, konnte für 15 Ausbildungsplätze als Zerspanungstechniker nur elf Jugendliche finden. Zudem waren von 25 Bewerbern für eine Ausbildung als Feinmechaniker 14 nicht geeignet den Test zu bestehen."
Akuter Facharbeitermangel
„Die Behauptung von AK-Präsident Pichler, in Salzburg gäbe es keinen Facharbeitermangel, ist Realitätsverweigerung", klärte Schulte auf. Die IV-Umfrage zeigt, dass die Unternehmen im Bereich Technik/Produktion mit 33% den größten Fachkräftemangel haben. Knapp dahinter folgt der Bereich Forschung & Entwicklung (F&E) mit 32%. Diese beiden Berufsgruppen werden auch weiterhin innerhalb der nächsten 3 Jahre sehr gefragt sein, es wurde jeweils ein steigender Bedarf mit 55,7% bei Technik/Produktion und 53,6% im Bereich F&E angegeben. Somit ist weiterhin keine Entspannung rund um die Situation des „Technikermangels" in Sicht. Deshalb wird die Industrie auch weiterhin ihren positiven Weg, die Jugend für technische Berufe zu begeistern, fortsetzen. „Wir laden die Salzburger Jugendlichen und ihre Eltern ein, sich auf der Berufsinfomesse über ihre Chancen in den Industrieberufen zu informieren", so Irene Schulte.
Flexiblere Arbeitszeit gefordert
Auch beim Thema Leiharbeit stellt Schulte klar: „Es sind die Gewerkschaften, die die Flexibilisierung der Arbeitszeiten seit Jahren boykottieren, obwohl die Mitarbeiter in den Betrieben diese wünschen. Die Unternehmen haben bei Auftragsspitzen nur zwei Möglichkeiten: entweder Sie greifen temporär auf Leiharbeiter zurück oder können den Auftrag in Österreich nicht annehmen. Andere Länder sind flexibler." Zudem sei für viele Salzburger die Leiharbeit die Chance auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt und das Kennenlernen verschiedener Betriebe, stellte Schulte fest. „Es ist an der Zeit, dass die Arbeitnehmervertreter endlich zu einer konstruktiven Diskussion über eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten kommen. Nur so können wir die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes und damit Arbeitsplätze sichern", mahnte Schulte abschließend.