Kalter Konjunkturwinter bremst Aufschwung

IV-Konjunkturumfrage zum 3. Quartal 2015

Wirtschaftspolitik
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Geschäftslage weiter verbessert – Erholung kommt im Winter ins Stocken – Tatenlosigkeit bei Standortbedingungen konterkariert Optimismus

„Der leichte Aufwärtstrend der Industriekonjunktur in Salzburg hält an. Die Geschäfts- und Auftragslage haben sich deutlich verbessert. Doch bereits in den kommenden Wintermonaten wird der Gegenwind für die Industrie wieder stärker“, fasst KommR Mag. Rudolf Zrost, Präsident der Industriellenvereinigung Salzburg (IV), die aktuelle Konjunkturumfrage zusammen und ortet die Arbeitszeiten als ein Hauptproblem am Standort. „Ich höre aus fast allen Unternehmen, dass die derzeitige 10-Stunden-Regelung nicht nur jegliche Flexibilität verhindert, sondern auch die Mitarbeiter damit sehr unzufrieden sind“, so Zrost.

Geschäftslage deutlich besser
Die Geschäftslage der Industrieunternehmen hat sich nach einem kleinen Dämpfer im 2. Quartal diesen Jahres nun wieder deutlich verbessert. 58 Prozent der Befragten berichten von einer „guten“ Geschäftslage. Das sind mehr als doppelt so viele als zuletzt. Eine „schlechte“ Lage melden hingegen nur 2 Prozent. Der aktuelle Auftragsbestand vervollständigt naturgemäß dieses Bild. Fast die Hälfte der Unternehmen verzeichnet einen „guten“ Auftragsbestand, nur 6 Prozent einen „schlechten“. Auch hier zeigt sich eine deutliche Verbesserung zum Vorquartal. Die Auslandaufträge nehmen laut der Konjunkturumfrage weiterhin zu. Nach 40 Prozent zum Ende des ersten Halbjahres melden nun über die Hälfte der Befragten eine „gute“ Lage bei den Auslandaufträgen. 

Erholung kühlt im Winter ab
Die durchwegs positiven Ergebnisse bei der aktuellen Lage der Industrie in Salzburg verlieren angesichts der Prognosen allerdings etwas an Strahlkraft. In Richtung Winter wird die konjunkturelle Lage zunehmend frostig. Zwar nimmt die Auslastung der Produktionskapazität in drei Monaten noch zu. 27 Prozent der befragten Unternehmen sprechen von „steigender“ Auslastung. Das sind 5 Prozent mehr als im Vorquartal, aber noch immer weniger als zu Jahresbeginn. Einzelne Unternehmen sehen aber den Beschäftigtenstand zu Jahresende schwinden wie die Umfrage zeigt. Auch die Produktionstätigkeit in 3 Monaten bewerten nur ein Viertel der Industriellen mit „steigend“, das sind beinahe gleich viele wie im Vorquartal. „Diese Fakten nähren die Befürchtung, dass der leichte Aufschwung in Kürze wieder ins Stocken gerät, warnt IV-Salzburg-Geschäftsführerin Mag. Irene Schulte. „Die sinkende Produktivität in Österreich ist ein Warnsignal und muss bei den Lohnverhandlungen berücksichtigt werden“, so Schulte. Wir müssen die Unternehmen ent- statt belasten. Alles andere würde zu noch mehr Produktivitätsverlust, Gefährdung von Arbeitsplätzen und einem Abbau des heimischen Wohlstandes führen, sagt Schulte.

Unflexible Arbeitszeitregelung behindert Aufschwung
Der positive Trend in der heimischen Industrie ist in den sechs-Monats-Prognosen der aktuellen Konjunkturumfrage nicht mehr wiederzufinden. Die Geschäftslage in einem halben Jahr prognostizieren nur noch 7 Prozent der Industriellen als „günstiger“, nachdem dies im Vorquartal noch 18 Prozent erwartet hatten. Der Anteil der Befragten, die eine ungünstigere Geschäftslage in sechs Monaten erwarten ist von 5 Prozent im Vorquartal auf 9 Prozent gestiegen. Der Optimismus der Industrie bei diesem Punkt der Umfrage nimmt zudem seit Jahresbeginn kontinuierlich ab. Zudem verschlechtert sich die Ertragssituation seit Jahresbeginn kontinuierlich. „Diese Entwicklung zeigt einmal mehr die Vertrauenskrise zwischen Unternehmern und dem Gesetzgeber“, betont Zrost. Wie eingangs erwähnt, klagt der Großteil der Unternehmen über die Maximalarbeitszeit von 10 Stunden, die weder für Arbeitgeber noch für Arbeitnehmer in der Industrie praktikabel ist. „Hier geht es nicht um die Kosten, Überstunden oder darum die Mitarbeiter viel länger arbeiten zu lassen. Es ist einfach nicht möglich, die Mitarbeiter so einzusetzen, dass gearbeitet werden kann, wenn Aufträge da sind“ so Zrost. Viele Industrieunternehmer berichten, dass sich auch die Mitarbeiter selbst, vor allem jene im Außendienst mehr Flexibilität wünschen“, sagt Zrost und fordert erneut, die Arbeitszeitregelungen rasch an die Erfordernisse der Gegenwart und Zukunft anzupassen.

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